Wir erwarten, dass der globale Inflationsanstieg nicht nur ein kurzfristiges zyklisches Phänomen ist. Vielmehr befinden wir uns in einer Transitionsphase zu strukturell höheren Inflationsraten und Zinssätzen. Das günstige makroökonomische Umfeld, das die Entwicklung der Finanz- und Immobilienmärkte praktisch seit der Jahrtausenderwende prägte, scheint „passé“. Europa dürfte aufgrund des Energieschocks in eine schwere Rezession eintreten, falls nicht in unmittelbarer Zeit die Energieversorgung gesichert werden kann. Diese negative Konjunkturausgangslage spricht für einen konjunkturell bedingten Inflationsrückgang. Strukturell dürfte der Inflationsdruck mittelfristig aufgrund des globalen Arbeitskräftemangels (demographisch) und Deglobalisierungstrends (geopolitisch) höher bleiben als über die letzten zwei Jahrzehnte.

Die Zentralbanken befindet sich in einem Aufholprozess von einer jahrelangen zu lockeren Geldpolitik und dürften die Geldpolitik weiter straffen. Die Lehren aus den Inflationswirren aus den 70er Jahren sind, dass man nicht zu früh wieder lockern kann. Deshalb stemmt sich das FED so gegen Finanzmarkterwartungen bezüglich Zinssenkungen in 2023. Ich glaube die SNB hat auch bereits die aus unserer Sicht korrekte Analyse gemacht, dass wir uns in einem neuen Umfeld befinden. Ein stärkerer CHF ist nun erwünscht und wird weitere Zinsstraffungen nicht verhindern, auch wenn er auch in die Betrachtung der „monetary conditions“ einfliesst. Das letztere bedeutet, dass die SNB die Zinsen weniger stark erhöhen muss als andere Notenbanken. Die EZB and Bank of England stehen unter Druck, da sich die Inflation von den Energiekompontenten nun auch auf die Kerninflation übertragt. Einen Zinszyklus mit Zinssenkungen in einigen Jahren wird zwar auch wieder geben, aber unsere Einschätzung ist, dass wir im Durchschnitt auch in Europa auf höheren Zinsniveaus bewegen werden, so dass sich die ganze Kurve nach oben verschiebt.

Ist unsere Analyse korrekt, stehen die Bewertungen auf den Immobilienmärkten (im Gegensatz zur Finanzkrise triffts diesmal auch die Schweiz) vor einer neuen Preisfindungsphase. Die Preisfindung auf den Immobilienmärkten unterscheidet sich von derjenigen in liquideren Anlageklassen. Deshalb präsentieren wir als Gedankenrahmen unser Vier-Phasen-Modell. Dies soll zeigen, wie die unterschiedlichen Kräfte in den Immobilienmiet- und Kapitalmärkten auf den Transitionsprozess einwirken und dies im Zeitverlauf abspielen könnte.

In der Tabelle sind die wichtigen Punkte beschrieben. Je nach Perspektive des Lesers ist die eine oder die andere Spalte relevanter.  Unsere Einschätzung ist, dass wir uns aktuell in der ersten Phase befinden. Der Übergang in Phase 2 steht uns in einigen Monaten bevor. Wir sind der Meinung, dass die spannenden Opportunitäten erst in der Phase 2 präsentiert werden. Deshalb ist aus der Sicht der Investoren, die Neugelder in Immobilienanlagen anlegen wollen, Geduld gefragt.

Aus der Perspektive der Immobilien-Investment Managers ist ein Anpassung der Schwerpunkte der Tätigkeiten notwendig im Vergleich zu den letzten Jahren. Ginge es in den letzten Jahren vor allem um Wachstum der AuM, sind aktuell Massnahmen gefragt, die dazu helfen, ohne grössere Schäden durch die Krise zu kommen. Das kann z.B. bedeuten, den Fokus von Business Development von Raising von neuem Kapital auf die Vermeidung von Redemptions zu legen. Product Development ist stark gefordert. Solche Abteilungen müssen bereits heute antizipieren, welche Produkte von diesem neuen Umfeld profitieren können. Denn 2023/2024 dürften insbesondere für höhere Risikostrategien sehr interessante IRR-Vintages werden. Generell nimmt die Bedeutung von Research, Risk Management und Asset Management in einer solchen Phase zu.

Leider haben viele Plattformen in den letzten Jahren aus Cost-Cutting Gründen die Qualität und Headcounts des internen Immobilienresearchs reduziert. Man brauchte kein Research, da Immobilienanlagen generell eine Einbahnstrasse waren. Macro Real Estate ist gerade in der Antizipation einer Krise geschaffen worden. Wir sind dazu da, in solch schwierigen Zeiten Investoren und Managern zu helfen, die richtigen strategischen und investitionsrelevanten Entscheidungen zu treffen. Wir können Senior-Research und Strategieexpertise sehr schnell, flexibel und kostengünstig einbringen.

Zoltan Szelyes, Oktober 16 2022

Macro Real Estate’s Vier Phasen Modell

Phase Makro Immobilienmarkt Listed vs Private Real Estate
Shock and Unsicherheit •Inflationsschock und aggressive Zinserhöhungen

•Overshooting von Inflation und Inflationserwartungen

•Indizien für eine wirschaftliche Abschwächung. Arbeitsmarkt als lagging Indikator

•Neuverhandlung von Immobilientransaktionen. Erste grössere Discounts in einzelnen Deals

•Hohe Bid-Ask-Spreads führen zu substantiell tieferen Immobilientransaktionsvolumen

•Stabiler Mietmarkt

•Verschiedene Businessmodelle funktionieren nicht mehr, Betrugsfälle kommen ans Tageslicht

•Erste Insolvenzen von Immobilienentwickler und hohe Verluste von Mezz Lender

•Listed RE mit deutlichen Bewertungskorrekturen

•Bewertungen von Immobilien und NAV basierten Vehikeln sind weiterhin robust

•Unterschied zwischen angelsächsischer und deutscher Bewertungspraxis kommt zum Vorschein

Rezession und Mietmarktreaktion •Deutlicher konjunktureller Abschwung führt zur rückläufigen Inflation

•Nicht alle erwarteten Zinserhöhungen kommen auch

•Strukturelle Anpassungen: Nicht alle Wirtschaftsmodelle funktionieren weiter (z.B. DE als Exportweltmeister)

•Abschwächung der Mietmarktsituation, insbesondere in den zyklischen Sektoren (Büro, Retail, zum Teil Logistik)

•Wohneigentumsblasen platzen (DE, Skandinavien, Kanada, AUS, USA und in anderen Märkten)

•Nettorenditen steigen, Distressed-Verkäufe

•Nicht optimal positionierte Assets mit grössten Schwierigkeiten

•Wenig Bauprojekte warden begonnen

•Listed Real estate Bewertungen beginnen Bodenbildungsprozess und fangen an Rebound der Werte zu antizipieren

•Bewertungen von Immobilien und NAV basierten Vehikeln sinken auch markant.

•Offene Immobilienfonds mit grösseren “Redemption-Queus”; Substantielle Discounts von geschlossenen Fonds (Secondaries…)

Stabilisierung/

Neues Gleichgewicht

•Zinsen stabilisieren sich auf den neuen Niveaus. Auch erste Zinssenkungen werden Tatsache •Repricing von Nettorenditen weitgehend abgeschlossen, Marktteilnehmer passen Erwartungen an

•Unterschiedlicher Impact nach Sektor und Region basierend auf Marktentwicklung

•Signifkanter Anstieg der Transaktions- und Investitionsvolumen

•Starker Rebound der listed Real Estate Bewertungen

•Bewertungen von Immobilien und NAV basierten Vehikeln  weiter im Anpassungsprozess. Angelsäschische Märkte haben Prozess zuerst abgeschlossen

Erholung und Vorteile der Inflationshedging-eigenschaften von Immobilien •Wirtschaftlicher Erholungszyklus schreitet voran

•Inflation und Zinsen normalisieren sich auf neuen Niveaus

•Relative Verschiebungen zwischen Sektoren und Regionen

•Inflationshedgingeigenschaft von Immobilien zeigt seine positive Wirkung

•Unterschiede zwischen Sektoren mit besseren und schlechteren Inflationshedging-Eigenschaften (kommerzielle Immobilien im Vorteil)

•Tiefe Entwicklungs- und Bauaktivität erlaubt eine starke Erholung der Mietmärkte

•Listed RE und Bewertungen von Immobilien und NAV basierten Vehikeln

•Unterschiedliche Performance nach Sektor